01. August 2010
Du befindest Dich hier: Startseite ¬ Sonstiges
Pedal: Das Pauli-Prinzip
das tor zu neuen welten.
Der erste Spieltag in der Champions League hätte besser laufen können. UEFA-Cup war ja ganz ok, aber Champions League? Drei Niederlagen gabs für unsere drei Vertreter, das sind mindestens drei zu viel. Bremen, Schalke und Stuttgart haben ihre Auftaktspiele in den Sand gesetzt, vor allem in Stuttgart läuft es derzeit nicht so richtig rund, wie man so schön sagt. Also es heißt der Ball ist rund und es läuft nicht rund. Kann man das dann nicht auch kombinieren in Form von es läuft nicht Ball? Erst die unglückliche, wenn auch selten dämliche Niederlage in Glasgow und dann die Klatsche in Bremen, es läuft wirklich nicht Ball in Stuttgart. In der Liga steht der Meister nur im unteren Drittel, woran liegt das? Ok, an dem Punktesystem, aber woran liegt es wirklich? Ich mein sogar Rostock gewinnt plötzlich. Apropos Rostock. Ich kann mich noch gut erinnern, als vor einigen Jahren die Debatte aufkam, ob der Fußball im Osten nicht tot wäre, weil kein Ostteam in der ersten Liga spielt. Jetzt möchte ich an dieser Stelle einfach mal eine neue anheizen: sind Rostock und gleichzeitig Cottbus nicht zu viel? Ok, die zieren zwar nur das Tabellenende und werden auch sonst kaum beachtet, aber kann man den Spielern von Arminia Bielefeld wirklich zumuten, gleich zweimal im Jahr in den Osten zu fahren? Gut, München ist noch weiter weg, aber da fährt man wenigstens gerne hin. Aber jetzt nichts gegen Ostdeutschland, das ist alles dufte mit blühenden Landschaften und so, mich nervt nur, dass bei null Vereinen die Welt vor dem Untergang steht und jetzt bei zwei, was regional gesehen ein normaler Wert ist, keiner ankommt und das gut findet. Die Leute wollen halt meckern. Das ist fast so, als wenn jemand schreibt, dass es bei Stuttgart nicht läuft anstatt lieber lobend zu erwähnen, wie gut Berlin auf einmal geworden ist.
Recht hat er, der Mann, also lassen wir das Thema Stuttgart mal sein. Wobei in aller Kürze schnell mein Rat an Armin Veh: Ailton kaufen. Aber jetzt Berlin. Damit hätte doch wirklich keiner gerechnet, dass die nach 17,647% der Saison auf Platz 2 der Tabelle stehen. München auf 1 und Cottbus auf 18 war schon irgendwie vorhersehbar, aber der Hertha hätte kaum jemand außer Lothar Matthäus solch einen Start zugetraut. Und wer hat Schuld dran? Die Schweizer. Lucien Favre kam aus dem Ausland nach Deutschland und hat sich in Berlin aus einem wilden Haufen eine schlagkräftige Truppe zusammengebaut. Gerade in Berlin wiederholt sich so Geschichte, da geht einem doch das Staatsbürgerherz auf. Jetzt hat die Hertha schon dreimal in Folge gewonnen, also praktisch so oft, wie wir uns das in der Champions League gewünscht hätten, aber da spielen ja nur die Versager und nicht Hertha BSC Berlin. Ist das überhaupt schlau, die besten Teams des Vorjahrs in die Champions League zu schicken? Ich mein es war doch absehbar, dass Bayern München in diesem Jahr wieder die beste deutsche Mannschaft ist, hätte man da nicht vorausschauend Stuttgart ausladen können zwecks Fünfjahreswertung? Naja, war nur ein Vorschlag an Monsieur Platini, damit der dann seinerseits einen Vorschlag machen kann. Habt ihr das eigentlich mitgekriegt, was der andere Obermacker des Weltfußball, nämlich Sepp Blatter, während meiner Kreativpause vorgeschlagen hat? Der wollte das Elfmeterschießen im WM-Finale abschaffen und wahlweise ein Entscheidungsspiel ansetzen oder - was mir persönlich sehr gut gefällt - das Elfmeterschießen schon vor dem Spiel abhalten. Das wär doch mal wirklich innovativ, da werden dann während des Aufwärmens von jedem Finalisten (nennen wir sie mal Deutschland und Pakistan) wahllos fünf Spieler rausgepickt, und die dürfen dann während alle anderen sich auf der anderen Platzhälfte weiter warmmachen, abseits der Fernsehkameras sporadisch ein paar Elfmeter schießen. Die Begründung gefällt mir aber besonders: "Ein WM-Endspiel ist Leidenschaft, die Verlängerung ein Drama, aber das Elfmeterschießen eine Tragödie" Och wie pathetisch, Sepp. Dafür kriegst du von mir ein ganz persönliches Eis. Und jetzt mach Sitz.
Oder anders ausgedrückt: Ein WM-Finale ohne Elfmeterschießen wäre wie ein WM-Final-Elfmeterschießen ohne Zinedine Zidane.
Der Mahe in Gold entfleucht diesmal natürlich zu Simon Jentzsch für sein Engagement beim 1:1-Ausgleich der Cottbusser. Eigentlich ganz leicht zu halten, aber Jentzsch schafft es doch tatsächlich, den Ball noch einmal loszulassen und dem Gegner genau vors Schienbein zu schienen äh schieben. Wolfsburg hat am Ende trotzdem gewonnen, deshalb wird sich Jentzsch noch mehr über die wichtigste deutsche Auszeichnung nach den Golden Globes in Amerika freuen.
Jahre, in denen die Bayern nicht Meister wurden (Folge 88): 1943.
Abseits vom Abseits: Wie schön Bayern doch sein kann, bewies uns in dieser Woche erneut das Dreamteam Pauli-Stoiber (feat. Beckstein-Huber-Seehofer). Als wäre es nicht schon genug, dass in der bundesdeutschen Zentrale der christlichen Werte überhaupt eine Frau, noch dazu eine mit Latexbildern, in irgendeiner Form das Sagen hat, ist es nahezu untragbar, wenn Selbige auf einmal Grundpfeiler unserer Zivilisation wie die Ehe angreifen würde. Doch genau das tat Frau Gabriele Pauli, und ab jetzt wird's lustig: Frau Gabriele Pauli schlug uns allen nämlich vor, jede Ehe per se erstmal auf sieben Jahre zu befristen und "dann mal sehn". Edmund Stoiber legte ihr Nanosekunden später dann (natürlich ganz uneigennützig) den Rücktritt aus der Gesellschaft nahe. Kommentar Pauli: "Der ist eh bald weg." Was mir aber am besten gefiel, war dieses, diesmal sogar authentische Zitat von Stoiber kurz nachdem er Pauli praktisch exkommuniziert hatte: "Diese Position ist bisher nicht einmal von den Grünen oder bei exotischeren Parteien vertreten worden:" Aber Herr Stoiber... noch exotischere Parteien als die Grünen? Sowas gibts? So eine hypothetische Partei müsste dann ja einen Anführer haben, der seit gefühlten 97 Jahren anführt und plötzlich von zwei rivalisierenden Möchtegernanführern gestürzt werden soll, die das aber nur mit Hilfe einer Latexfrau schaffen, die dann aber von einem Bundesminister in die Schranken gewiesen wird. Nein. Das halte ich für ein Gerücht. Ich glaube, die Grünen sind definitiv die exotischste Partei der Welt.
Aber mal zum Thema. Was ich ganz bemerkenswert finde, ist, dass Frau Gabriele Pauli die revolutionäre Idee in den geheimen Staatsarchiven irgendwo bei Rousseau, Hobbes und Kant gefunden hat. Ok, es war ein bayerischer Kaberettist, der in seinem Programm auch fordert, dass gedopte Radrennfahrer zwar noch an der Tour de France teilnehmen dürfen, dann aber auch ihr Rad ins Ziel tragen müssen. So gesehen ein weiser Quell der Erkenntnis, der Frau Gabriele Pauli zu ihrem Vorstoß inspiriert hat. Also Ehe auf Zeit, geschlossen vor dem Herrn mit der Bedingung, nach sieben Jahren immer noch Bock zu haben und den ganzen Kram auf irgendnem Amt verlängern zu lassen. Gut, Deutschland kann sich nach neuesten Umfragen zu 79% einen schwulen Kanzler vorstellen. (Keine Ahnung, wer sowas nachforscht. Achso, die Bild wars. Verstehe.) Aber eine befristete Ehe? Das wäre ja so wie Dosen zurückbringen. Igitt. Schön wärs aber in der Disco: "Na, zu mir oder zu dir?" "Tut mir Leid, ich hab Vertrag bis Zwo Zwölf." Kann man sich denn da dann auch rauskaufen und zu einem anderen Partner wechseln? Weiß nicht, man kann aber sicher eine Ablösesumme aushandeln oder gleich eine Ausstiegsklausel vereinbaren. Im Standesamt heißt es dann nur noch: "Nimmst du, Ede, die dir Anvertraute Gabi zu deiner Frau, bis dass der Tod euch scheidet oder die sieben Jahre um sind und keiner verlängern will?" Wobei in sieben Jahren kann eine Menge passieren. Durchschnittlich wird jede deutsche Ehe schon nach etwas mehr als vier Jahren geschieden, von daher würden die meisten ihren Amtstermin gar nicht mehr wahrnehmen können/wollen. Ich denke mal, die einzige, die wirklich verlängern würde, wäre Eva Herman. Da kommt dann abends ihr Mann von der Jagd nach Hause: "Schatz, sind wieder sieben Jahre um, kommste eben mit zum Standesamt?" "Warte, ich koch noch schnell mein neues Buch zu Ende, dann bin ich auch gleich bei dir, Mausi. Wusstest du eigentlich schon, dass Stalin ein fürsorglicher Vater war und nur einen einzigen seiner Söhne in Kriegsgefangenschaft hat umkommen lassen?" Mein Vorschlag an Frau Gabriele Pauli: weiter so! Ich finde nicht nur Ehe auf Zeit supi, als nächstes sollte auch Staatsbürger auf Zeit kommen. Nach zwei bis acht Jahren geht man dann ins Einwohnermeldeamt und wer mehr als drei Stunden Neun Live geguckt hat, kann nur Deutscher bleiben, wenn er eidesstattlich zu Protokoll gibt, niemals da angerufen zu haben.
Die Top 5 der Woche
heute: Funktionen, die Adrenalinwerte verschiedener Trainertypen im Laufe des Spiels widerspiegeln, wobei 0 < x < 90 (mal was für die Mathematiker)
1. f(x) = x (Standardwert)
2. f(x) = 0 (Ottmar Hitzfeld)
3. f(x) = |sin(x)| (Jogi Löw)
4. f(x) = (sqrt(ln(x)+37x³(atan(x-1)-cosh(2/x²))))/(x^3-sqrt(pi)) (Jose Mourinho)
5. f(x) = e^x (Jürgen Klopp)
Ja und sonst? Da ist Bielefeld wohl plötzlich aus den Champions-League-Rängen raus.
Nächste Woche mehr.
Kommentare
Weitere News zum Thema 'Pedal'